Beuys + Warhol

"Beuys’ Gesicht ist wie seine Zeichnungen: Man meint hindurchzublicken ins Innere. Warhol, der die Masken liebte, hat sein Gesicht selbst zu einer Maske werden lassen, der Maske eines traurigen Clowns, die anrührt, ihm selbst aber die Berührungen fernhielt. Er spielte die Rolle des Prominenten, der er geworden war.  Er war er selbst, wo man ihn nicht erreichte. Manche der Fotografien von Walter Schels sind nahe dorthin gelangt." Franz-Joseph van der Grinten

Joseph Beuys habe ich zum ersten Mal auf der documenta 1977 in Kassel erlebt, mit seiner Honigpumpe. Er war umgeben von Zuhörern, und ich war lange Zeit mit dabei. Seine weltoffenen Gedanken, die Verschmelzung von Kunst und menschlichem Zusammenleben, Vergleiche zwischen Honigpumpe und Blutkreislauf – all das gefiel mir. Ich beobachtete seine lebendige, überzeugende Mimik beim Sprechen. Die Sprache ist ja ein Teil seiner Kunst. Er erklärte sie sogar zur "Plastik". Das möchte ich mit meinen Porträts zeigen. Die Lebendigkeit des Ausdrucks.

Warhol war mir durch meinen New-York-Aufenthalt in den 60er Jahren bekannt. Ich erinnere mich noch an das Attentat auf ihn, im Juni 1968. Eine Verbindung mit Warhol und Beuys ergab sich 1979, also ich die große Beuys-Ausstellung im Guggenheim-Museum erlebte. Gleichzeitig hatte Warhol eine umfangreiche Ausstellung im Whitney-Museum. Besonders seine Porträtserien, konsequent in Größe und Stil, beeindruckte mich sehr. In ihrer Kunst hatten Beuys und Warhol oberflächlich betrachtet nichts gemeinsam. Der Vergleich bot sich erst durch die Gleichzeitigkeit der Ausstellungen an. Ich hatte den Wunsch, beide Künstler kennenzulernen und sie zu porträtieren. Ich wollte mehr über den Menschen Beuys erfahren, um seine Kunst besser zu verstehen. Ein Zufall wollte es, dass ein Jahr später beide gemeinsam in einer Münchner Galerie ausstellten. Diese Gelegenheit nutzte ich für einen Porträttermin. Es war eine meiner ersten Erfahrungen auf dem Weg zum Porträtfotografen. 




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